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Schöne saubere Welt

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Schöne saubere Welt – Ein kleiner Abriss des Müllproblems

 By Sascha Kollmeder/19.11.20/ Blog

 „Tatsachen schafft man nicht dadurch aus der Welt, dass man sie ignoriert.“   Aldous Huxley 

Wo der Mensch steht und geht, hinterlässt er Müll. Eine traurige Bilanz. Müll ist eines der prekären Themen unserer Zeit. Nicht nur die zunehmende Verschmutzung unserer Ozeane durch Unrat und Mikroplastik ist ein gegenwärtiges Desaster, sondern auch der unverantwortliche Umgang mit Abfällen in Ballungszentren und anderen öffentlichen Räumen. Das sogenannte „Littering“ bezeichnet eine zunehmende Verrohung der Gesellschaft im Umgang mit anfallenden Verpackungsrückständen.

Allerorts kann man zahlreiche Container, Mülltonnen und Papierkörbe finden, die bis zum Bersten gefüllt sind. Wie steht es um die individuelle Verantwortlichkeit? Wie kann es sein, dass eine Vielzahl deutscher Straßen, Parks, Wälder und auch Ufer als Müllhalde missbraucht werden? Von den immensen Kosten für Bund und Gemeinden einmal abgesehen, kann es in aufgeklärten Zeiten wie diesen nicht sein, dass wir im Müll ersticken und keine Antwort auf das Problem zu haben scheinen. Achtlosigkeit und eine gewisse Lethargie scheinen so ausgeprägt zu sein, dass neben den überquellenden Containern einfach die Umwelt als großer Mülleimer missbraucht wird. Ganz nach dem Motto: „Aus den Augen, aus dem Sinn."

Bildquelle: Pixabay

Doch bevor wir explizit auf die Verantwortung des Einzelnen eingehen, sehen wir uns doch mal an, was unsere Regierung so beizutragen hat.

Deutschland – Wo ist deine Vorbildfunktion? Um ein klares Verständnis der Tragweite zu erlangen, reicht es nicht aus, ausschließlich auf den Einwegbecher am Straßenrand einzugehen. Betrachten wir das Problem zunächst auf politischer Ebene. Scheinbar ist es für uns als postmoderne Gesellschaft unmöglich geworden auf Verpackungsmaterialien zu verzichten. Der vermeintliche Lösungsansatz der Europäischen Union bis zum Jahr 2030 alle Plastikverpackungen recyclingfähig zu machen, um eine möglichst langlebige Kreislaufwirtschaft zu etablieren wird aus mehreren Gründen nicht reichen.

Grund 1 - Der schlechte Recycling- Witz

Die Bundesregierung rühmt sich gerne mit dem Titel des "Recycling Weltmeisters", doch nichts könnte der Wahrheit ferner liegen. Laut einer Statistik des Umweltbundesamts fallen in Deutschland 18,16 Millionen Tonnen Verpackungsmüll pro Jahr an. Das entspricht einem Verbrauch von 220,5 Kilogramm pro Kopf. 37, 4 Kilogramm davon sind reiner Plastikmüll.

Die Top 10 der Plastik-Sünder in der EU

Platz

Land

Verbrauch pro Kopf

1.

Irland

60,7 kg

2.

Luxemburg

51,9 kg

3.

Estland

46,5 kg

4.

Deutschland

37,4 kg

5.

Portugal

35,7 kg

6.

Vereinigtes Königreich

34,7 kg

7.

Italien

34,3 kg

8.

Österreich

34,2 kg

9.

Dänemark

33,2 kg

10.

Frankreich

32,0 kg

Schenkt man nun als gutgläubiger Bürger dem Umweltbundesamt Beachtung, werden aktuell bis zu 45 Prozent recycelt. Das ist keinen „Wir retten die Welt- Orden“ wert, aber immerhin ein Anfang. So sollte man meinen, denn die Wahrheit ist hässlich, aber deutlich. Laut einigen Spitzenpolitikern der Grünen belaufe sich die wahre Quote irgendwo bei 17 Prozent. Doch auch diesen geschönten Ergebnissen traut Dr. Henning Wilts, Abteilungsleiter für Kreislaufwirtschaft am Wuppertal Institut, nicht über den Weg. Er berechnete eine Recycling-Quote von lächerlichen 5,6 Prozent.


Da wird unsere Regierung doch nicht etwa „Greenwashing“ im großen Stile betreiben, oder etwa doch?

Was nicht verwertet werden kann gelangt meist in die Endstation Verbrennungsanlage. Bildquelle: dpa

Allerhöchstens im Umgang mit den Erfassungsdaten, zählt der Weltmeisterstatus. Nach diesem Punkt würden sich Abgründe auftun, berichtete Wilts in einem Interview mit dem Spiegel.

Grund 2 - Deutschland der Exportweltmeister in Sachen Müll

Wir sind der Meinung, dieser Titel wäre viel eher gerechtfertigt und sollte in das Bewusstsein aller gelangen. Das perfide an der so vielversprechenden Recyclingquote ist das Miteinbeziehen der Müll-Exporte in andere Länder und auch der verbrannte Müll findet seinen Platz in den Zahlen. Die Ahnungslosigkeit der zuständigen „Spitzenpolitikerin“ wurde spätestens am 23.09.2019 für jeden öffentlich zugänglich. Der RTL- Journalist Jenke war mit seinem Format „das Jenke- Experiment“ unterwegs und recherchierte neben den massiven gesundheitlichen Gefahren, welche Plastik und dessen Inhaltsstoffe auf den menschlichen Körper haben, auch in Sachen Verantwortung gegenüber unseren Abfällen. In dem Interview wurde Bundesumweltministerin Svenja Schulze von Jenke auf die offensichtliche Schönrederei der Recyclingquote festgenagelt. Leider hatte Sie nicht viel mehr als verlegenes Gelächter und leicht verwirrtes Gestammel zu bieten. Es scheint der Volksvertreterin nicht zu gefallen, dass der Journalist seine Hausaufgaben gemacht zu haben scheint. Auch auf Jenkes wiederholte Tatsachenbekundung der geschönten Quote kann unsere Bundesumweltministerin nichts weiter Beitragen, als ihrer Ahnungslosigkeit im deutschen Fernsehen freien Lauf zu lassen. Das Interview endet mit den Worten, sie wisse es nicht und sie glaube es nicht. Wir fragen uns, REALLY? Die Unfähigkeit unserer Regierung wird uns nicht zum ersten Mal in diesem Jahr bewusst vor Augen geführt. Stichwort: „Rezos- Zerstörung der CDU“. Die Faktenlage ist eindeutig!

Grund 3 - Dunkelziffer der Exportware landet im Meer

Experten gehen davon aus, dass ein erheblicher Teil des Mülls bei der Überführung nach Südostasien im Meer landet. Es sind keine Zahlen bekannt. Unserer Regierung ist aber durchaus die Schätzung des Umweltprogramms der vereinten Nationen bekannt, die besagt, dass von den jährlich 300 Millionen produzierten Tonnen Plastik, 10 Millionen Tonnen in unseren Ozeanen landen. Auf jedem einzelnen Quadratkilometer der Wasseroberfläche treiben mittlerweile 18.000 Plastikteile unterschiedlichster Größe. Die Wissenschaftler sind sich einig, ändern wir nicht rapide unseren Kurs, wird es im Jahr 2050 mehr Plastikteile in unseren Weltmeeren geben, als Fische. Wir alle kennen die dramatischen Bilder in Plastik verhedderter Meeresbewohner. Wir von Universoul Clothing fragen uns, wie knapp der Warnschuss noch an unseren Köpfen vorbei rauschen soll. Wo beginnt die Verantwortung auf individueller Ebene und wo auf höherer Instanz?

Vom hirnlosen Imponiergehabe bis zum rücksichtslosen Verbrechen

Besonders jüngere Menschen sind laut Expertenmeinung dafür prädestiniert adäquate Müllentsorgung zu ignorieren. Ein klarer Trend wurde in den letzten Jahren deutlich, je dichter die Ballungsräume, desto höher der achtlose Umgang mit Abfällen. Insbesondere Stadtreiniger können ein Lied von der Problematik singen. Sobald die warme Jahreszeit anbricht, vermehren sich Müllhaufen in öffentlichen Räumen. Das Angebot an Einwegplastik ist trotz schlechter werdender Umweltbilanz nicht geringer geworden. Eisbecher, Coffee-To-Go-Becher, Plastiklöffeln, Einweggrills und Zigarettenstummel vermüllen unsere Großstädte. Neben diesen eher kleineren Müllhaufen entstehen seit Jahren immer größere Berge der sogenannten „wilden Müllkippen“. In den vergangenen Jahren seien beispielsweise ca. 270 illegale Müllhaufen in Baden-Württemberg registriert worden, welche sich mittlerweile leider auch auf natürliche Habitate wie Wälder oder Uferränder ausweiten. Die externe Reinigung an Autobahnen, Landes- und Bundesstraßen hat das Bundesland rund 4 Millionen Euro gekostet und das ist nur ein kleiner Teil des Problems auf deutschlandweiter Ebene. Die Frage nach dem zukünftigen gesellschaftlichen Leidensdruck erübrigt sich. Besonders Jugendliche und junge Erwachsene sind laut Studien der Universität in Berlin zu einem Anteil von 64% mit Hauptverantwortliche in der Schuldfrage. Nur Raucher, die einen Anteil von 70% der Vermüllung gegenüber Nichtrauchern großer Städte beitragen, übertrumpfen dieses wahnsinnige Verhalten. Besonders die Gruppendynamik der bis zu 20-jährigen habe einen besonderen Einfluss auf das Verhalten. Es sei nicht im Trend seinen Müll sachgerecht zu entsorgen, insbesondere nicht, wenn es sich um Imponiergehabe handle. Wie können wir dieser Herausforderung Herr werden? Noch eine weitere Mülltonne am Wegesrand kann und wird nicht die Lösung sein. Man sollte gerade in Zeiten von „Fridays For Future“ einen anderen Handlungskodex erwarten können. Zugegeben kann man auch hier nicht alle jungen Menschen über einen Kamm scheren. Im Gegenteil! Ein großer Teil, der unter 20-jährigen hat sich der Verantwortung zumindest bezüglich lauteren Protests gestellt und sich weltweit Gehör verschafft. Wir unterstützen diese Haltung, wissen aber dass auch der lauteste Protest keine gezielte Handlung auf die Straße bringen wird. Eines ist jedoch sicher! Am Bewusstsein für Klima und Umwelt kommt heutzutage keiner mehr vorbei. Trotzdem gibt es neben den vermeintlich harmlosen „Littering-Vergehen“, verheerende Taten einiger weniger, die gezielt im Schutz der Anonymität schweren Unrat in empfindlichen Ökosystemen entsorgen und damit Böden und auch Lebensraum vieler Tierarten gefährden. Das Hauptproblem ist die lange Verrottungszeit. Die Abfälle geben über den kompletten Verfallprozess ihre giftigen Stoffe an Boden und Umwelt ab. So gelangen viele nicht zur Gänze erforschten Stoffe in die Nahrungskette der Tiere. Die langfristigen Folgen sind nicht absehbar, aber mit Sicherheit nicht angenehm, weder für Umwelt noch für uns Menschen.

Das Angebot bestimmt die Nachfrage

Wir leben in Zeiten des Überflusses und der Maßlosigkeit. Dieses Modell hat bereits in alle Lebenslagen Einzug gehalten. Die Großkonzerne schütten uns mit allen möglichen Konsumgütern zu, die am besten nicht dreifach, sondern vierfach verpackt sind. Die überflüssige Konsumsucht ist zwar schon ausufernd und verheerend genug, aber die zahlreichen überflüssigen Verpackungen zeigen deutlich das Level der Dekadenz, in der wir heute ersticken.

Bildquelle: IG pointless_packaging

 Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Der Wahnsinn ist kaum noch auszuhalten und wir alle spüren das. Es ist das unbewusste und unreflektierte Handeln der Vergangenheit, dass die Welt zu dem gemacht hat, was sie heute ist.

Die Zeit der neuen Wege ist gekommen

Doch so langsam macht sich Bewusstsein in vielen Köpfen breit. Vielen wird klar, dass es ein „weiter so“ in kaum einem Bereich unseres heutigen Lebens geben wird. Verzicht ist ein Anfang, aber nicht der Weisheit letzter Schluss. Wir brauchen ein grundlegend anderes Konsumverhalten. Wir wollen den ersten Schritt in Richtung „Gemeinwohl Ökonomie“ gehen (Erfahre mehr dazu in unserem nächsten Blogartikel). Wir werden den Konsum nicht abschaffen können, aber wir können den Fokus verlagern und Schritt für Schritt ein neues System etablieren. Wie immer entscheidet auch hier der Fokus, den wir wählen. Anstatt den Profit in den Vordergrund zu stellen, konzentrieren wir uns lieber auf das Wohl aller. Das beinhaltet vor allem nachhaltiges Ressourcen Management, Menschen und Umweltwürde, Gerechtigkeit und Solidarität. Unsere Unternehmensstruktur baut sein Fundament auf ökologischen und sozialen Werten. Wir fangen bei uns selbst an und handeln im Sinne der Natur, denn Verzicht alleine wird nicht reichen den bisher entstandenen Schaden an unserer Umwelt zu bereinigen. Dieser Weg kann nur in kleinen Schritten gegangen werden. Fakt ist aber, dass wir diese Schritte gehen MÜSSEN, wenn wir eine lebenswerte Welt hinterlassen wollen. Wir sagen "JA" zu Veränderung und sind bereit den ersten Schritt als Unternehmen zu gehen.

Sascha Kollmeder Gründer von Universoul Clothing

 

Quellenangabe:
1.  https://www.rtl.de/videos/jenke-trifft-bundesumweltministerin-svenja-schulze-      5d888f2f1d90da76ca780952.html
2. https://www.umweltbundesamt.de/themen/weltrecyclingtag-wieviel-recyceln-wir-wirklich
3. https://www.wallstreet-online.de/nachricht/11179712-abfallexperte-5-6-prozent-kunststoffs-recycelt
4. https://www.nabu.de/natur-und-landschaft/meere/muellkippe-meer/muellkippemeer.html
5. https://www.welt.de/vermischtes/article163915072/Muell-in-den-Staedten-es-wird-immer-schlimmer.html

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